Wie lange sollte die duale Thrombozytenaggregationshemmung nach PCI fortgesetzt werden?
Nach PCI mit medikamentenfreisetzendem Stent bei akutem Koronarsyndrom sind 12 Monate duale Thrombozytenaggregationshemmung (DAPT: Acetylsalicylsäure plus P2Y12-Inhibitor) der Standard, wobei die Dauer nach Ischämie- und Blutungsrisiko individualisiert wird. Die ESC-Leitlinie 2023 zum akuten Koronarsyndrom empfiehlt 12 Monate als Standard, befürwortet aber kürzere oder deeskalierte Schemata bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko [1].
Bei Patienten mit hohem Blutungsrisiko wird eine verkürzte DAPT durch MASTER DAPT gestützt: Das Absetzen der DAPT nach 1 Monat (mit Fortführung einer einfachen Thrombozytenaggregationshemmung) war hinsichtlich klinischer Nettoereignisse und ischämischer Ereignisse nicht unterlegen und senkte schwere oder klinisch relevante Blutungen gegenüber einer um mindestens 3 weitere Monate fortgeführten DAPT [2].
Umgekehrt können ausgewählte Patienten mit hohem Ischämie- und niedrigem Blutungsrisiko von einer über 12 Monate hinaus verlängerten DAPT profitieren. Die Dauer sollte eine gemeinsame, risikostratifizierte Entscheidung sein und keine feste Regel [1, 2].
- Die optimale Dauer ist eine Risikoabwägung (Ischämie gegen Blutung) und keine feste Zahl; die Empfehlungen unterscheiden sich zwischen chronischem Koronarsyndrom beziehungsweise elektiver PCI und akutem Koronarsyndrom.
- MASTER DAPT betrifft speziell Patienten mit hohem Blutungsrisiko und ist möglicherweise nicht auf Populationen mit niedrigerem Risiko übertragbar.
2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes
Dual Antiplatelet Therapy after PCI in Patients at High Bleeding Risk (MASTER DAPT)
Illustratives Beispiel einer CliniAtlas-Lesung, nur zur fachlichen Orientierung. Verifizieren Sie sich als medizinische Fachkraft, um eigene Fragen gegen aktuelle Quellen zu stellen. Englisches Original.